Sportwagen

Der Sportwagen ist leicht zu kritisieren. Zu teuer, zu eng, zu unpraktisch, im Alltag kaum ausreizbar – und allzu oft als rollende Pose gelesen.

Und doch wäre es zu einfach, ihn nur als Statussymbol abzutun. Denn an kaum einem anderen Produkt lässt sich so deutlich zeigen, dass Dinge nicht nur benutzt, sondern sehr verschieden gelesen werden – und dass selbst das Unvernünftige eine Berechtigung haben kann.

Die Welt der Produkte ist nicht nur eine Welt der Funktionen, sondern auch der Bedeutungen: Begriffe, Bilder, Zuschreibungen, kulturelle Reflexe. Moderne Mythen.

Der Sportwagen ist, man weiß es ja, ein Bedeutungsträger. Er steht für Freiheit, Souveränität und Leistungsfähigkeit. Er sagt nicht nur: Ich kann mir das leisten, sondern auch: Ich bin so einer.

Das kann aber schnell kippen. Was als Kraft gemeint ist, kann als Unsicherheit gelesen werden. Was Souveränität signalisieren soll, wirkt dann wie ihr Gegenteil: als aus Unsicherheit geborene demonstrative Versicherung der eigenen Bedeutung.

Produkte senden eben keine eindeutigen Botschaften. Sie bewegen sich in einem kulturellen Minenfeld. Dasselbe Objekt kann Bewunderung, Ironie, Ablehnung oder Begehren auslösen – je nach Milieu, Generation, Kontext und Formensprache.

Es gibt auch eine andere Lesart für den Sportwagen.

Vielleicht muss man dafür die Definition des Begriffs „Sport“ wieder ernster nehmen. Ursprünglich meinte „Sport“ nicht einfach körperliche Anstrengung, sondern etwas, das nicht bloß nützlich sein musste: eine Tätigkeit um ihrer selbst willen. Aus Freude, aus Leidenschaft, aus kultiviertem Interesse. Sich aus etwas einen Sport machen.

In diesem Sinn ist der Sportwagen nicht nur Statussymbol, sondern auch ein Gegenstand der Lebensfreude. Ein Objekt, das nicht primär mit Zweck argumentiert, sondern mit Intensität: mit Klang, Proportion, Spannung, Haltung, Präzision. Mit der Lust an Form.

Gute Gestaltung arbeitet deshalb nie nur mit technischen Funktionen. Sie arbeitet auch mit Bedeutungen: mit dem, was ein Produkt verspricht, bevor es benutzt wird, und mit dem, was es kulturell aktiviert. Selbst bei Investitionsgütern.

Dabei geht es nicht um Manipulation, sondern um Respekt: darum, Menschen ernst zu nehmen, ihre Wahrnehmung zu verstehen und Produkte so zu gestalten, dass sie sie erreichen.

Hier liegt eine meiner Aufgaben als Designer:

Ich mache solche Bedeutungsebenen sichtbar, ordne sie und übersetze sie in gestalterische Leitlinien. Ich lese das kulturelle Umfeld eines Produktes, erkenne Chancen und falsche Töne und helfe Herstellern, sich in einem aufgeladenen Markt sicher zu positionieren.

Denn ein Produkt muss nicht nur funktionieren. Es muss auch bedeuten, was es bedeuten soll.