Guter Geschmack?

„Über Geschmack lässt sich nicht streiten“ – sagt man. Und meint damit oft: Alles ist erlaubt. Alles ist gleich gültig. Alles ist reine Privatsache.

Im Privaten mag das so sein. Tatsächlich ist Geschmack im gesellschaftlichen und professionellen Kontext weder beliebig noch objektiv. Er entsteht aus kulturellen Vereinbarungen – und muss immer wieder verstanden und neu übersetzt werden.

Geschmack folgt Regeln. Er bildet sich aus Erfahrungen, Erziehung, Milieus, Technologien, sozialen Codes. Aus dem, was wir gelernt haben zu lesen – und zu schätzen.

Kultur ist das Betriebssystem einer Gesellschaft. Ohne gemeinsame kulturelle Vereinbarungen gäbe es keinen Geschmack. Keine Architektur. Kein Design. Keine Musik. Keine Mode. Keine Produkte. Kein Zusammenleben. Diese Codes sind nicht universell. Sie sind gewachsen. Lokal. Sozial. Historisch.

Deshalb gibt es nicht den Geschmack, sondern viele gleichberechtigte Geschmäcker. Aber gibt es guten und schlechten Geschmack? Ja und nein. Nicht im moralischen Sinn. Nicht im Sinne von „richtig“ und „falsch“. Aber im Sinne von: passend oder unpassend.

Guter Geschmack bedeutet:

Ein Produkt spricht die Sprache seiner Zielgruppe. Es respektiert ihre Codes. Es trifft ihre Erwartungen – oder bricht sie bewusst.

Schlechter Geschmack bedeutet:

Ein Produkt verfehlt seinen Kontext. Es sendet falsche Signale. Es wirkt beliebig, aufgesetzt oder ignorant. Nicht weil es „hässlich“ ist. Sondern weil es falsch gelesen wird.

Als Designer arbeite ich nicht mit meinem persönlichen Geschmack. Ich arbeite mit kultureller Übersetzung. Ich frage: Wer benutzt das? In welchem Umfeld? Mit welchen Erwartungen? Mit welchen Werten? Mit welchem Selbstbild?

Meine Aufgabe ist es, nicht zu bewerten, sondern zu verstehen. Ein gutes Produkt zeigt: Hier hat jemand verstanden, worum es geht. Nicht nur technisch. Nicht nur wirtschaftlich. Sondern auch kulturell verstanden. Ich lese Kontexte. Ich übersetze Kulturen. Ich entwickle Lösungen, die passen. Es geht um kuratierte Koexistenz.

Gutes Design entsteht nicht aus Geschmack. Sondern aus Verständnis. Wenn Sie darüber sprechen möchten: Ich freue mich.

farenski@d-tom.com